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Post-Editing: eine feste Grösse in der Übersetzungsbranche

Post-Editing ist ein wesentlicher Bestandteil der neuen Übersetzungskette.

Wir leben in einem «Post-Zeitalter»: postmodern, posthuman, postfaktisch und postkapitalistisch. Wie passt Post-Editing da hinein?

Maschinell übersetzt – von Menschen optimiert: In der Übersetzungs- und Lokalisierungsbranche ist der Begriff Post-Editing seit mindestens einem Jahrzehnt in aller Munde. In seinen Anfängen wurde das Posteditieren maschinell erstellter Übersetzungen (auch kurz PEMT genannt) als Strategie von Billiganbietern abgetan, die minderwertige Übersetzungen am Fliessband produzierten, um schnelles Geld zu verdienen. Inzwischen hat die Technologie längst aufgeholt und die Kluft zu den Qualitätsstandards geschlossen. So hat PEMT in den letzten Jahren still und leise die Art und Weise revolutioniert, in der Agenturen, Freiberufler und Unternehmen alle denkbaren Texte von Rechtsdokumenten bis hin zu Finanzberichten übersetzen. PEMT ist aber mehr als nur ein neuer Trend oder eine Ergänzung: Vielmehr ist es ein vollkommen neues Berufsfeld mit einer wachsenden Anzahl von Zertifizierungsoptionen für Übersetzer/-innen, die sich auf diesem Gebiet spezialisieren wollen. Es gibt sogar einen ISO-Standard für das Posteditieren maschinell erstellter Übersetzungen (ISO 18587:2017).

Aber was genau ist Post-Editing eigentlich? Und warum ist es so revolutionär?

Einfach ausgedrückt: Mit PEMT können Übersetzer/-innen ihre Arbeit schneller erledigen. Sie müssen einen Text nicht mehr von Grund auf übersetzen, sondern erhalten von der Maschine eine «Übersetzungsvorlage». Diese prüfen sie auf Herz und Nieren und überarbeiten sie stilistisch und grammatikalisch, bis ihre Qualität annähernd der einer menschlichen Übersetzung entspricht. Ein Wort hier, ein Satz dort, eine Umstellung, um die Syntax der Zielsprache zu optimieren: Es ist eine Aufgabe, die genaue Beobachtung und ein Verständnis für die Nuancen der Ausgangs- und Zielsprache erfordert. Einige Textsorten eignen sich besser für Post-Editing als andere: Rechtsdokumente, Bedienungsanleitungen, Unternehmenskommunikation und technische Texte gehören zu den Texten, die am häufigsten maschinell übersetzt werden und dann vom Menschen einen sprachlichen Feinschliff erhalten.

Die Zahlen sprechen für sich selbst: Laut einer gemeinsamen Studie der Rijksuniversiteit Groningen und der Dublin City University steigerte PEMT die Übersetzungsproduktivität um 18 % verglichen mit einer menschlichen Übersetzung. Neuronale maschinelle Übersetzung – die sich auf künstliche Intelligenz (KI) stützt – erhöhte die Effizienz sogar um bis zu 36 %. Hinzu kommt, dass die Übersetzer/-innen, die einen maschinell erstellten Text posteditierten, zwischen 25 % und 50 % weniger Pausen einlegten als jene, die einen Text komplett neu übersetzen mussten.

Für Unternehmen verkürzt sich dadurch die Zeit bis zur Veröffentlichung eines Textes erheblich. Gleichzeitig verringern sich die Gesamtkosten für die Übersetzung. Das ist technologischer Fortschritt mit einer menschlichen Note. Jeder kann davon profitieren – solange ein paar Grundregeln eingehalten werden.

Effizienz ja – aber nicht auf Kosten der Sicherheit

Effizienz ist nur dann erstrebenswert, wenn das Endprodukt sich durch eine brauchbare Qualität auszeichnet. Wie alles im Leben sind auch nicht alle Tools für maschinelle Übersetzung gleich – und gleich gut. Deshalb ist es wichtig, dass der Übersetzungsprozess von Anfang bis Ende von zertifizierten Experten beaufsichtigt wird. Sonst kann es vorkommen, dass die Qualität der posteditierten Übersetzung ebenso schlecht ist wie damals, als die Technologie noch in den Kinderschuhen steckte.

Einige Unternehmen sind vielleicht sogar versucht, ganz auf den Einsatz professioneller Übersetzer/-innen zu verzichten und ihre PEMT ganz einfach intern zu erledigen. Schliesslich gibt es online jede Menge kostenloser maschineller Übersetzungsdienste – zum Beispiel DeepL und Google, um nur die bekanntesten zu nennen. Allerdings überwiegen die Nachteile die Vorteile bei weitem: Die gängigen online verfügbaren Allzweck-Tools haben nicht die Fähigkeit, gezielt zu lernen. Die eingegebenen Informationen landen alle in einem Topf. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Tool den falschen Begriff wählt, ist deshalb höher als bei der Verwendung einer spezialisierten internen Lösung. Ein Artikel im Wirtschaftsmagazin Forbes kommt zu dem Schluss, dass ein kostenloses maschinelles Übersetzungstool «branchenspezifischen Fachjargon ebenso wenig versteht […] wie den umfassenderen Kontext, in dem sich einzelne Inhaltsbruchstücke einfügen».

Dann ist da noch das Risiko, dass jede Information, die in eines dieser Tools eingegeben wird, dupliziert, gestohlen oder anderweitig missbraucht werden kann. Ein Beispiel zur Illustration: Nach Eingabe der niederländischen Wörter «volledig ondertekende overeenkomst» (was «vollständig unterzeichnete Vereinbarung» bedeutet) im kostenlosen Online-Tool MyMemory kann der Benutzer auf der Ergebnisseite herunter scrollen und jede Menge «menschliche Beiträge» oder Auszüge aus anderen Texten anzeigen, die beim Aufbau des Tools verwertet wurden. Es braucht nur einen erkennbaren Namen, ein Datum oder einen Dateipfad. Das reicht neugierigen Internetnutzern, Erpressern, Hackern und anderen Cyber-Angreifern schon aus, um den Text zu einem Unternehmen zurückzuverfolgen und potenziell schwerwiegende Probleme und Reputationsschäden zu verursachen.

Die menschliche Note zählt

PEMT ist keine simple administrative Aufgabe, die einfach jeder x-beliebigen Person anvertraut werden kann. Vielmehr ist es eine besondere Kompetenz, die viele Stunden Training und Übung – und Erfahrung als Übersetzer/-in – erfordert, um maschinell übersetzte Texte routiniert und geschickt so anzupassen, dass sie den erforderlichen Qualitätsstandards entsprechen. Oftmals geht es nicht nur darum, ein Adjektiv in ein Adverb umzuwandeln oder ein fehlendes Komma einzufügen. Insbesondere bei idiomatischen Ausdrücken kann es vorkommen, dass die Maschine den Text wortwörtlich übersetzt. Dann liest sich die Übersetzung vielleicht syntaktisch richtig, vermittelt aber vielleicht eine vollkommen andere Bedeutung als beabsichtigt. Ein Beispiel:

Ausgangstext: Es ist fünf vor zwölf.

Maschinelle Übersetzung: It is five to twelve.

Menschliche Übersetzung: It is high time to get this done.

Der Text ist richtig übersetzt, aber die Maschine hat die Bedeutung nicht richtig erfasst. Gleichermassen kann der Inhalt des Satzes richtig übersetzt sein, aber dem Satz selbst hört man es an, dass er von einer Maschine übersetzt wurde.

Ausgangstext: The use of machine translation systems is becoming increasingly widespread in response to the ever-increasing demands placed on the translation industry.

Maschinelle Übersetzung: Die Verwendung von maschinellen Übersetzungssystemen findet als Antwort auf die ständig steigenden Anforderungen an die Übersetzungsbranche immer mehr Verbreitung.

Menschliche Übersetzung: Der Einsatz maschineller Übersetzungssysteme schreitet voran, um den Bedarf der Übersetzungsbranche zu decken, an die immer höhere Anforderungen gestellt werden.

Möglicherweise greift das Tool auch auf frühere Übersetzungen zurück, um einen neuen Text zu erzeugen. Das kann dazu führen, dass es zusätzliche Elemente einfügt, die eigentlich nicht in der Übersetzung stehen sollten:

Ausgangstext: Le contrat est compréhensible

Maschinelle Übersetzung: Der aktuelle Vertrag ist verständlich

Menschliche Übersetzung: Der Vertrag ist verständlich

An diesen drei Beispielen wird deutlich, wie wichtig die Post-Editing-Phase bei PEMT ist. Maschinelle Tools werden beständig besser, aber alles können sie nicht – und auch sie können sich irren. Wer die gewünschte Qualität erzielen will, beauftragt einen Profi – unabhängig davon, wie gut die maschinelle Übersetzung auf den ersten Blick aussehen mag.

Eine zeitsparende Geheimwaffe

Natürlich muss eine maschinelle Übersetzung nicht immer hundertprozentig perfekt sein. PEMT kann gut in Fällen eingesetzt werden, in denen Texte nur für den internen Gebrauch übersetzt werden müssen und die Zeit drängt. Ein gutes Beispiel sind Rechtstexte: Bei der Übersetzung von Verträgen wird in der Regel darauf hingewiesen, dass allein der Ausgangstext rechtsgültig ist. Das heisst aber auch, dass ein brauchbarer übersetzter Text häufig ausreicht. Nehmen wir an, ein Immobilienmakler in Berlin schliesst mehrere Mietverträge mit Nicht-Muttersprachlern ab. Statt sich mit ihnen auf Deutsch durch einen Dschungel juristischer Fachausdrücke zu kämpfen, könnte er die Verträge einfach maschinell übersetzen und auf Englisch, Französisch, Spanisch usw. posteditieren lassen. Muss der Vertrag in der Zielsprache doch «wasserdicht» sein, kann die maschinelle Übersetzung einem Juristen übergeben werden, der sie genau unter die Lupe nimmt.

Gleiches gilt für die Finanzbranche. Fast alle Banken sind international aktiv. Sie alle beschäftigen Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern, die Forschungsberichte, Nachrichten und Medienmitteilungen lesen müssen, um Markt- und Geschäftsentwicklungen zu verfolgen – und fundierte Entscheidungen im Auftrag von Kunden und anderen Anspruchsgruppen treffen zu können. Akademische Einrichtungen, Unternehmen und Stiftungen in aller Welt veröffentlichen Unmengen an Materialien, die nicht alle in der Zielsprache der Mitarbeitenden verfügbar sind – und genau hier kommt PEMT ins Spiel. Ein von einem Thinktank in der Schweiz an einem Freitag veröffentlichter Bericht könnte maschinell übersetzt werden, manuell den letzten Schliff erhalten und auf dem Schreibtisch der Person liegen, die ihn braucht – bevor die Börsen am Montag öffnen. Damit könnte sich das Unternehmen einen erheblichen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen.

Fazit – und Post-Editing-Dienstleistungen von SwissGlobal

Maschinelle Übersetzung ist heute eine feste Grösse und revolutioniert die Übersetzungsbranche – aber sie ist bei weitem nicht perfekt. Post-Editing ist ein wesentlicher Bestandteil der neuen Übersetzungskette. Ohne professionelle menschliche Übersetzer/-innen, die den Text fachlich unter die Lupe nehmen, kann nicht garantiert werden, dass er richtig oder brauchbar ist. Mit PEMT können grosse Textmengen innerhalb relativ kurzer Zeit übersetzt werden – und das zu einem erschwinglichen Preis. Sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen, ist auf jeden Fall sinnvoll: PEMT wird zunehmend an Bedeutung gewinnen, da die Tools – und die Technologien, auf denen sie aufbauen – ständig verbessert werden. Es lohnt sich ganz sicher, die weitere Entwicklung zu verfolgen.

Als führende Akteurin in der Übersetzungsbranche ist SwissGlobal bestrebt, sich einen Platz an der Spitze der technologischen Entwicklungen in diesem Feld zu sichern. Gleichzeitig legen wir grössten Wert auf die hervorragende Schweizer Qualität, für die unser Unternehmen bekannt ist. Deshalb nutzen wir die maschinelle Übersetzung zum Vorteil unserer Kunden und haben zusätzlich die Zertifizierung nach ISO 18587 für das Posteditieren maschinell erstellter Übersetzungen beantragt. Mit Freude geben wir bekannt, dass wir im Mai 2021 offiziell zertifiziert werden.

Haben wir Ihr Interesse an den Möglichkeiten geweckt, die Post-Editing Ihrem Unternehmen eröffnen kann? Dann nehmen Sie noch heute Kontakt mit uns auf. Gerne erläutern wir Ihnen unser Dienstleistungsangebot im Detail – von PEMT über menschliche Übersetzung bis hin zu Transkreation, Lektorat und mehr.

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