Warum die Preise für Übersetzungen Veränderungen unterliegen
Aufgrund technologischer Fortschritte und sich wandelnder Erwartungen von Unternehmen ist die traditionelle, auf der Wortzahl basierende Preisgestaltung bei Übersetzungen heute nicht mehr sinnvoll. Auf dem Wortpreis basierende Modelle berücksichtigen nämlich keine Unterschiede in der Komplexität und im Wert von Inhalten, dies insbesondere angesichts der zunehmenden Verbreitung von KI-generierten und maschinell übersetzten Texten. Sprachdienstleister setzen heute vermehrt auf hybride Preisstrategien. Tarife pro Zeichen, pro Zeile sowie Stunden- oder Projektpauschalen widerspiegeln die tatsächlichen Kosten und die für die verschiedenen Übersetzungsaufträge erforderliche Qualität wesentlich genauer.
Bisher folgte die Preisgestaltung für jede Art von Übersetzung, egal, ob sie von einem Menschen, maschinell oder mittels eines Post-Editings erledigt wurde, in der Regel einer simplen Formel: Die Wörter zählen, einen Tarif anwenden und die Rechnung verschicken. Fertig. Ein äusserst vorhersehbares Vorgehen, bei dem sich Vergleiche und Berechnungen im Nu erledigen liessen.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Neues Fachwissen und sich rasch entwickelnde Technologien sowie spezifische Risiken, aber auch sich wandelnde Erwartungen haben dazu geführt, dass der Wortpreis den tatsächlichen Arbeitsaufwand nicht mehr stimmig widerspiegelt.
Auf Seiten der Kunden haben sich die Erwartungen nicht geändert. Nach wie vor wird ein transparentes und vorhersehbares Preismodell gewünscht, das eine Abrechnung mittels Worttarif ermöglicht. Für Sprachdienstleister (language service providers, LSPs) hingegen ist die Umstellung auf die Berechnung mittels eines Stundenansatzes bei Aufträgen wie beispielsweise dem Post-Editing eine Frage der Fairness. Hängt doch der Zeitaufwand für solche Aufträge stark von der Qualität der maschinellen Übersetzung ab. Ein Pauschalpreis pro Wort wird solchen Unterschieden nicht mehr gerecht. Aus den genannten Gründen ist das bisherige Preismodell gerade dabei, sich stark zu verändern.
Warum der Worttarif den tatsächlichen Wert einer Übersetzung nicht mehr widerspiegelt
Das traditionelle Berechnungsmodell misst jedem Wort dasselbe Gewicht bei. Zwischen einem rechtsgültigen Vertrag und einer Produktbeschreibung gibt es demnach keinen Unterschied, sofern sie die gleiche Anzahl an Wörtern enthalten. In Wahrheit lagen die Dinge jedoch nie so einfach.
Was sich derzeit ändert, ist nicht die Verwendung des Wortpreises an sich, sondern seine vorherrschende Bedeutung. KI-generierte Inhalte und maschinelle Übersetzung haben nämlich die Kluft zwischen Quantität und Qualität deutlich gemacht. Da Maschinen mittlerweile in der Lage sind, Texte mit unglaublicher Geschwindigkeit zu erstellen, liegen die tatsächlichen Kosten logischerweise nicht mehr in der Erzeugung von Wörtern. Vielmehr geht es darum, sicherzustellen, dass die generierten Texte korrekt, angemessen und zur Veröffentlichung geeignet sind.
Dieser Wandel ist der Grund, warum viele Sprachdienstleister (LSPs) mittlerweile zu einem hybriden Preismodell übergegangen sind:
- Ein Tarif pro Wort für einfache Texte in bearbeitbaren Formaten
- Ein Tarif pro Zeichen für asiatische Sprachen, bei denen es keine klar definierten Wortgrenzen gibt
- Ein Tarif pro Zeile, der auf den europäischen Märkten nach wie vor Standard ist
- Stunden- oder projektbezogene Tarife für Dienstleistungen, die sich nicht fair ermitteln lassen, wenn man nur den Textumfang berücksichtigt
- Feste Programmgebühren für laufende mehrsprachige Projekte
Bei SwissGlobal rechnen wir bei Humanübersetzungen und maschinellen Übersetzungen mit anschliessendem Post-Editing pro Zeile ab, nicht pro Wort. Eine Standardzeile besteht aus 55 Zeichen inklusive Leerzeichen. Diese Berechnungsmethode, bei der eine Standardseite 30 Zeilen oder zwischen 1’500 und 1’800 Zeichen umfasst, ist in der Schweiz und in weiten Teilen Europas gängige Praxis. Die Anzahl der Wörter wird nur dann angegeben, wenn der Kunde das ausdrücklich wünscht. Dies ist typischerweise bei Dokumenten in bearbeitbaren Formaten wie Word, Excel oder PowerPoint, bei denen die Wortzahl klar und einfach ermittelbar ist, der Fall. In einem unserer früheren Blogbeiträge erfahren Sie genau, wie viel eine Übersetzung kostet.
Doch die Abrechnung pro Zeichen ist keineswegs von der Bildfläche verschwunden. Für Chinesisch, Japanisch und Koreanisch ist sie das Standardmodell, da diese Sprachen keine Leerzeichen zur Worttrennung kennen. Ein einziges chinesisches Schriftzeichen kann die Bedeutung eines ganzen englischen Wortes haben, was die Anzahl der Wörter willkürlich und irreführend macht. Sprachdienstleister basieren ihre Berechnungen für diese Sprachen in der Regel auf der Anzahl der Zeichen im Ausgangstext, wobei die Preise je nach Komplexität und Zielsprache variieren können. Sollte Ihr Unternehmen in asiatischen Märkten tätig sein, ist es für eine genaue Budgetplanung und den Vergleich von Anbietern unerlässlich, diesen Unterschied zu verstehen.
Der Worttarif wird aber nach wie vor verwendet, denn er ist einfach verständlich und lässt sich intern problemlos genehmigen. Gerade Einkaufsteams sind nicht erpicht darauf, auf etwas zu verzichten, das sich so mühelos in eine Tabelle einfügen lässt. Derzeit liegen die Wortpreise für gängige Sprachpaare immer noch zwischen 0,19 CHF und 0,45 CHF. Viele Unternehmen verwenden diese Tarifspanne weiterhin als Massstab für Vergleiche von Anbietern.
KI senkt gewisse Kosten, generiert aber auch neue
Heute wird erwartet, dass KI zu einer deutlichen Senkung der Kosten für Übersetzungsdienstleistungen führt. Dies stimmt zwar. Aber nur in gewissen Fällen.
Eine maschinelle Übersetzung mit einem anschliessenden Post-Editing kann beispielsweise die Kosten für umfangreiche Inhalte mit geringem Risiko verringern. Im Jahr 2026 kosten MTPE-Dienstleistungen in der Regel 40–60 % weniger als eine vollständig von einem Menschen erledigte Übersetzung. Dies deshalb, weil sich die Übersetzungsproduktivität in der Regel verdoppelt oder verdreifacht: Post-Editoren können etwa 5’600 Wörter pro Tag bearbeiten, während es bei einer herkömmlichen Übersetzung mit Qualitätssicherung nur rund 2’000 sind.
Bei SwissGlobal bieten wir maschinelle Übersetzung mit anschliessender Überarbeitung durch eine Fachperson an, um Effizienz und Qualität in Einklang zu bringen. Wir sind nach ISO 18587 für die Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen zertifiziert.
Legt man den Fokus allerdings nur auf die Preissenkung, verliert man rasch den Blick fürs Ganze. Denn KI bringt durchaus neue Kostenfaktoren mit sich:
- Eine komplexere Qualitätskontrolle
- Anforderungen an die Datensicherheit
- Laufende Pflege der Terminologiedatenbanken
- Überarbeitung des Texts, wenn die KI-Ausgabe den Kontext nicht zu erfassen vermochte
- Zeitaufwand für die Prompt-Optimierung
Unsachgemäss implementierte KI-Workflows verlagern die Kosten oft auf nachgelagerte Bereiche. Was auf den ersten Blick preiswerter erscheint, kann bei nachträglicher Überarbeitung der Inhalte teuer werden.
Übersetzen ist längst keine punktuelle Angelegenheit mehr
Früher war Übersetzen eine eher isolierte Aufgabe. Aus einem Ausgangsdokument wurde ein in die gewünschte Sprache übersetzter Text. Doch so läuft der Hase heute in Unternehmen nicht mehr.
Inhalte werden mittlerweile auf ganz unterschiedlichen Medien publiziert: Websites, Apps, Support-Plattformen und Marketing-Tools. Viele dieser Informationsträger werden ständig aktualisiert, wiederverwendet und für neue Zwecke genutzt. Infolgedessen richten sich die Preise für Übersetzungen zunehmend nach den eingesetzten Systemen und der jeweiligen Infrastruktur. Sie orientieren sich nicht mehr nur an den einzelnen Projekten.
Ja, Automatisierung und KI können den manuellen Aufwand verringern. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass sie eine entsprechende Einrichtung, eine gezielte Wartung und Überwachung mit sich bringen. Die entscheidende Frage ist also mittlerweile nicht mehr, ob man KI einsetzt, sondern vielmehr, wie man sie sinnvoll in bestehende Arbeitsabläufe integriert. Angestrebt wird ein durchgängiger Prozess, bei dem ineffiziente Elemente beseitigt werden. Ein Beispiel hierfür wäre das Verschieben von Inhalten zwischen isolierten Systemen, nur um KI zu nutzen und sie in die nächste Phase zu leiten.
Multi-Service-Workflows sind heute Standard
Übersetzen ist selten ein isolierter Prozess. Ein typisches Projekt umfasst:
- Projektmanagement: Koordination von Zeitplänen, Ressourcen und Kommunikation, wobei bei der Umsetzung alle Beteiligten einbezogen werden
- Übersetzung und/oder maschinelle Übersetzung mit Nachbearbeitung (dem sogenannten Post-Editing)
- Überprüfung: Ein zweiter Sprachprofi überprüft die Übersetzung auf Richtigkeit und Konsistenz.
- Qualitätssicherung der Übersetzung: systematische Überprüfung von Terminologie, Formatierung, Auslassungen und fachlicher Konsistenz
- Dateivorbereitung und Nachbearbeitung: Vorbereitung von Quelldateien für Übersetzungstools und Rückführung in nutzbare Formate nach der Übersetzung
- Desktop-Publishing
- Terminologiemanagement
Bei SwissGlobal handelt es sich dabei um klar definierte Dienstleistungen mit präzise festgelegtem Leistungsumfang:
- Die maschinelle Übersetzung mit Post-Editing verbindet eine maschinelle Übersetzung mit der Überprüfung durch eine linguistische Fachperson. Die Maschine erstellt einen ersten Entwurf. Ein qualifizierter Sprachprofi korrigiert anschliessend Fehler, verbessert den Sprachfluss und sorgt für terminologische Genauigkeit. Hier geht es darum, die Arbeitsgeschwindigkeit und Kosten mit der Qualität in Einklang zu bringen. Das Verfahren ist nach ISO 18587 für die Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen zertifiziert.
- Die Übersetzung wird durch eine qualifizierte muttersprachliche Fachperson gemäss ISO 17100 ausgeführt.
- Bei der Revision handelt es sich um eine umfassende Qualitätsprüfung, die über das reine Korrekturlesen hinausgeht und für Konsistenz, Stimmigkeit der Terminologie und die Übereinstimmung mit dem Ausgangstext sorgt, damit am Ende eine korrekte Übersetzung zur Verfügung steht.
- Beim Korrekturlesen erfolgt lediglich eine Überprüfung des Zieltextes, wobei das Augenmerk auf die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung gelegt wird. Bei der sprachlichen Überarbeitung geht es um das Korrekturlesen sowie Verbesserungen beim Stil, der Verständlichkeit und dem Lesefluss.
Jede dieser Ebenen bringt einen Mehrwert. Doch dabei fallen auch zusätzliche Kosten an. Eine Analyse anhand einer einzigen Kennzahl wie dem Tarif pro Wort reicht hier nicht mehr aus.
Compliance und Unternehmensführung wirken sich auf die Preisgestaltung aus
KI wird immer stärker in Übersetzungsabläufe integriert. Die Steuerung dieser Prozesse ist mittlerweile Pflicht. Deshalb müssen Unternehmen heute festlegen, welche Qualitätsstandards für sie akzeptabel sind, wie KI-Tools eingesetzt und kontrolliert werden, wie Daten gehandhabt werden und wer für sie verantwortlich ist.
Solche Qualitätsstandards sind besonders in der Schweiz und generell in Europa relevant. In diesen Regionen hat die DSGVO nämlich direkten Einfluss darauf, wie Übersetzungsdienstleistungen erbracht werden. SwissGlobal verfügt über eine Infrastruktur, die nach ISO 27001 für Informationssicherheit zertifiziert ist.
Der regulatorische Druck lastet nicht nur auf Europa. In den USA schreiben die neuen ADA-Anforderungen vor, dass digitale Inhalte des öffentlichen Sektors die Barrierefreiheitsstandards der WCAG 2.1, Stufe AA erfüllen müssen. Darunter fallen auch übersetzte Webinhalte und Dokumente sowie Multimedia-Content. Für Unternehmen, die öffentliche Einrichtungen beliefern, wird die Einhaltung der Barrierefreiheitsvorschriften zu einem direkten Kostenfaktor.
Beglaubigte Übersetzungen, notarielle Beglaubigungen und Apostille-Dienstleistungen hingegen bleiben von der Automatisierung weitgehend unberührt. Es handelt sich hierbei um festgelegte, regulierte Prozesse, bei denen die Preisgestaltung den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Bei SwissGlobal werden diese Aufgaben als kombinierte Dienstleistungen angeboten, die die Beglaubigung, gegebenenfalls die Apostille und den Versand umfassen.
Die Realität des Beschaffungswesens, die in den meisten Prognosen fehlt
Einkaufsteams bevorzugen nach wie vor eine transparente Preisgestaltung. Auch wenn komplexere Modelle die Realität besser widerspiegeln, greifen Unternehmen oft auf den Worttarif zurück, um Vergleiche anzustellen. Festpreise machen die Budgetplanung zudem überschaubarer. Diese Gegebenheiten sorgen zuweilen für Konflikte: LSPs entwickeln komplexe, wertorientierte Preisstrukturen, während die Kunden weiterhin alles mittels Tabellenkalkulationen aus einer längst vergangenen Zeit vergleichen.
Folge davon ist ein angebotsmässig zersplitterter Markt. Erstklassige Sprachdienstleister bieten strukturierte, vielschichtige Dienstleistungen mit menschlicher Überwachung und zertifiziertem Qualitätsmanagement. Preisgünstigere Anbieter setzen stark auf Automatisierung bei minimaler Aufsicht, manchmal zu Tarifen, die deutlich unter den marktüblichen liegen. Es ist wichtiger zu verstehen, wo sich Ihr Unternehmen zwischen all diesen Optionen situiert, als nur einfach nach den niedrigsten Tarifen Ausschau zu halten.
Was Unternehmen als Nächstes erwartet
Die Preise für Übersetzungen werden sich nicht von heute auf morgen ändern. Die Stossrichtung zeichnet sich jedoch bereits deutlich ab: mehr hybride Preismodelle, eine klarere Unterteilung der Inhalte nach Risikostufen, mehr Transparenz bei den Arbeitsabläufen und eine stärkere Verknüpfung zwischen Tarifen und geschäftlichen Auswirkungen statt nur eine Abrechnung nach Textvolumen.
Eine realistischere Preisgestaltung für Übersetzungsdienstleistungen
Übersetzungen sind längst nicht mehr nur ein Produktionskostenfaktor. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der globalen Kommunikation Ihres Unternehmens. Dies bedeutet aber nicht, dass jedes Projekt ein komplexes Preismodell benötigt. In vielen Fällen tut es eine einfache Preisgestaltung immer noch. Das Festhalten an überholten Annahmen kann jedoch zu Fehlentscheidungen führen. Entweder bezahlt man möglicherweise zu viel für risikoarme Inhalte oder man investiert zu wenig in risikoreiche Unterfangen.
Bei SwissGlobal setzen wir alles daran, um unsere Dienstleistungen auf den eigentlichen Zweck auszurichten. Sei es eine effiziente maschinelle Übersetzung mit Post-Editing oder eine vollständig durch einen Menschen vorgenommene Übersetzung mit mehreren Qualitätskontrollstufen – bei SwissGlobal sind Sie in jedem Fall an der richtigen Adresse. Zu unserem Angebot gehört auch, dass wir die Qualität der Inhalte bereits vor Beginn der Übersetzung optimieren. Möglich ist dies dank Dienstleistungen wie der Überarbeitung im Klartextstil oder der Erstellung von Stilrichtlinien. Wir helfen Ihrem Unternehmen dabei, den richtigen Mix aus menschlicher oder maschineller Übersetzung und anschliessender Qualitätssicherung zu finden.
Kontaktieren Sie uns noch heute, um Ihr Anliegen zu besprechen.
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